Skizze des Vorhabens einer GemeinschaftsForscherGruppe (GFG) für nachhaltige und zukunftsfähige Lebensformen
- Kurzbeschreibung
- Thema und Anspruch
- Positionierung und Selbstverständnis
- Modi der Zusammenarbeit
- Struktur der Zusammenarbeit
- Bisherige und zukünftige Aktivitäten
- Bisherige Mitglieder und Beispiele individueller Forschungsvorhaben
1. Kurzbeschreibung
Die GFG ist eine entstehende Verbindung von Nachwuchswissenschaftlern aus verschiedenen Fachbereichen, die über Hochschul- und Ländergrenzen hinweg gemeinsame Forschung und Austausch zum Thema „nachhaltiger und zukunftsfähiger Lebensformen” ausübt.
Position bezogen wird dabei für eine Wissenschaft, welche sich angesichts aktueller ökologischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Entwicklungen und Problematiken Forschung zu Intentionalen Gemeinschaften[1] (IG) widmet. Die GFG möchte für konkrete innovative Beiträge zu einem ökologischen und sozialen Wandel eintreten, ohne dabei ihre Kritikfähigkeit an diesen hinten an zu stellen. Es soll einerseits Grundlagenforschung betrieben werden, andererseits aber auch mit den Beteiligten in partizipativen Forschungsprozessen anwendbare Lösungen erarbeitet werden.
Auf organisatorischer Ebene besteht der Wunsch nach Etablierung und Bündelung von Aktivitäten einer solchen Forschung und insbesondere der Aufbau eines effektiven und Synergien hervorbringenden Netzwerkes bestehend aus Wissenschaftlern und Praktikern.
2. Thema und Anspruch
Im Zentrum der GFG steht die Forschung zu Intentionalen Gemeinschaften, mit sozial-ökologischen Zielsetzungen. Deren forschungsrelevante Bedeutung entsteht durch die Intention zukunftsweisende und vor allem real gelebte Lösungen für aktuelle ökologische, soziale, ökonomische und spirituelle Probleme zu entwickeln und zu verbreiten. Es ist Ziel und Anspruch der GFG, die in den unterschiedlichen Gemeinschaften gewonnenen Erfahrungswerte kritisch heraus zu arbeiten, dem selbstzugeschriebenen „Modellcharakter” nachzugehen und damit auch die Transferierbarkeit von Wissen auf andere gesellschaftliche Kontexte zu untersuchen. Die GFG möchte dem Ziel nachkommen, Intentionale Gemeinschaften als lohnenswertes Untersuchungsfeld in der „scientific community” zu etablieren. Ebenso möchte die GFG längerfristig als Ansprechpartner für (Nachwuchs-) Wissenschaftler zur Verfügung stehen und eine Basis für eine überregionale Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und IG schaffen.
3. Positionierung und Selbstverständnis
Die GFG möchte zunächst eine Schnittstellenfunktion übernehmen. Unten ersichtliches Schaubild soll das verdeutlichen:

Schaubild

Vereinfacht dargestellt werden drei Systeme differenziert: Gemeinschaften, Wissenschaften und Gesellschaft. Zunächst möchte sich die GFG lokalisieren an der Schnittstelle zwischen Gemeinschaften und akademischer Wissenschaft. Bislang gibt es dort wenig Zusammenarbeit. Es gibt im deutschsprachigen Raum ein erwachendes Interesse der Wissenschaften an IG in Form von Studien[2] und einer stetig wachsenden Anzahl wissenschaftlicher Abschluss-arbeiten. Von Seiten der IG gibt es zunehmend Anfragen an die Wissenschaften in Form eines Wunsches einer Reflektion auf der Metaebene, um zur eigenen Erkenntnis und Effektivität beizutragen (s. die Hinweise auf die „Gemeinschaftswerkstatt” in Punkt 6). Neben dieser internen Reflektion geht es den Gemeinschaften vor allem um eine externe Wirkung. Welche gesellschaftsveränderten Wirkungen (im Sinne einer nachhaltigeren Lebensweise) können von IG auf die Gesellschaft ausgehen und wie können diese Effekte verstärkt werden? Leitend ist dabei die Forschungsfrage „Welche Impulse können Gemeinschaften der Gesellschaft geben?” beziehungsweise: „Besteht die Möglichkeit eines Transfers von Wissen und gelebter Praxis auf andere gesellschaftliche Kontexte?”
Die intendierten Wirkungen dieser Forschungsarbeit sind durch den schwarzen Pfeil dargestellt: Zum einen werden Gemeinschaften stärker in die Aufmerksamkeit der „scientific community” gebracht, andererseits generiert die GFG durch ihren Arbeitsprozess den Gemeinschaften eine systematisch aufbereitete Innen- und Außenperspektive.
4. Modi der Zusammenarbeit
Wir halten im vorliegenden Fall Forschung unter folgenden Gesichtspunkten für zweckdienlich:
- interdisziplinär
Das Forschungsfeld besteht aus Gemeinschaften, welche verschiedenste gesellschaftliche Diskurse in Ihren Lokalitäten austragen und zu vereinen suchen. (Sie selbst differenzieren hier zwischen vier Ebenen: ökologisch, ökonomisch, sozial und kulturell & sprirituell). Diese vielschichtigen Lebenswelten lassen sich nicht sinnvoll aus nur einer Disziplin heraus untersuchen. Die Kooperation von Wissenschaftsdiziplinen und das damit verbundene Auflockern von Systemgrenzen (Interdisziplinarität), entsteht im vorliegenden Falle konkret durch den gemeinsamen Forschungsfokus, der aus verschiedenen Forschungsbereichen sich ergänzende Forschungsperspektiven und -Methodiken vereint.
- transdisziplinär
Der Anspruch der GFG besteht darin Forschung auch „auf Augenhöhe” zu betreiben. Dies ergibt sich zum einen aus dem gemeinsamen Interesse an zukunftsfähigen Lebensweisen (in Theorie und Praxis), zum anderen aus einem modernen Forschungsethos heraus. Drittens sind Mitglieder der GFG auch direkt eingebunden in Gemeinschaftsprojekte.
- international
Sowohl die wahrgenommen Bedrohungen des Klimawandels, Peak Oil etc. als auch die lokal versuchten „Lösungen” sind nur im Kontext einer globalisierten Welt angemessen zu würdigen. Ökodörfer bzw. ‚ecovillages’ finden sich bspw. in allen westlichen Industrienationen. Aufgrund dessen halten wir sowohl im Anspruch als auch in der Besetzung international ausgerichtete Forschung für unerlässlich.
- nachhaltig
Nachhaltigkeit als Forschungsqualität (z.B. in der Mobilität und im gruppendynamischen Vorgehen) wie auch in der Struktur (langfristige Etablierung, Anlaufstelle für Nachwuchs) sind essentielle Ansprüche der GFG.
5. Struktur der Zusammenarbeit
Wie schon beschrieben, soll ein Netzwerk aufgebaut werden, in dem es ähnlich wie in manchen Promotionskolloquien zu gegenseitigem Austausch kommen soll. Dafür sollen regelmäßige Treffen stattfinden. Eine Internetplattform wurde bereits geschaffen, eine öffentliche Datenbank ist im Entstehungsprozess. Gemeinsame Forschungsvorhaben (vor allem Kooperation im Rahmen von Feldforschung) und gemeinsame Publikationen sind angedacht. Ebenso soll es zu einem verstärkten Auftritt bei Netzwerktreffen von Gemeinschaften kommen und der Kontakt und die Einbindung von Personen aus IG intensiviert werden.
6. Bisherige und zukünftige Aktivitäten
Zu einem ersten Kontakt zwischen Wissenschaftlern, die sich mit IG beschäftigen untereinander und mit Gemeinschaften kam es bei der Gemeinschaftswerkstatt im November 2007. Thematisch ging es dort u.a. um den Anfang einer Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gemeinschaften. Im Juli 2008 trafen anlässlich des Global Ecovillage Network -Treffens sechs Forscher aus Deutschland und Österreich zusammen und bereiteten die Gründung der GFG vor. Die erste Folgeaktion bestand im Aufbau einer gemeinsamen Mediendatenbank zum Thema. Im Anschluss wurde ForscherInnen-Treffen I anberaumt, im Projektzentrum des Keimblatt Ökodorfs. Auf der Gemeinschaftswerkstatt 2008 in Steyerberg, bei der Mitglieder der GFG mit im Organisationsteam waren, stand die Frage „Welche Impulse können Gemeinschaften der Gesellschaft geben?” im Fokus. Verbunden damit waren Fragen nach Wüschen und Möglichkeiten in der Zusammenarbeit zwischen IG, Wissenschaft und Medien. Zum ForscherInnen-Treffen II im Oktober waren zwölf NachwuchsforscherInnen anwesend, welche zum Teil bereits an Ihren (hauptsächlich Promotions-) Projekten arbeiten oder sich in Vorbereitung befinden. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch eine gemeinsame Website in Betrieb genommen.

Präsentation des neugeschaffenen Bloqs auf dem Forschertreffen II im Projektzentrum des Keimblatt Ökodorf 2008
Die Erforschung Intentionaler Gemeinschaften unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit stellt wissenschaftlich gesehen relatives Neuland dar. Diverse der in Umsetzung begriffenen Desiderate der GFG dienen insofern dazu einen ersten thematischen Knotenpunkt zu bilden und zur weiteren Verwendung an zu bieten.
Folgende Ziele sollen verwirklicht werden:
1. Aufbau eines Netzwerkes
2. Bündelung relevanter Informationen und Wissens
3. Organisation von Zusammenkünften
4.Beteiligung an Symposien, Konferenzen etc
5. Pilotisierung und Durchführung von Forschungsprojekten
6. Anlaufstelle für (Nachwuchs)ForscherInnen
7. Herausgabe gemeinsamer Publikationen
Punkte (1) und (2) werden beständig verwirklicht, (3) formiert sich , (4) läuft an , (5) s. Projekte , auf (6) und (7) wird hingearbeitet.
7. Bisherige Mitglieder und Beispiele individueller Forschungsvorhaben
Die bisher assoziierten ForscherInnen :
- Alexandra Sacher de Scheichenbauer (alexandra41)
- Barbara Korak
- Daniela Bogner
- Felix Wagner (f.wagner@researchincommunity.net)
- Florian Mayrhofer
- Hannes Kappe (hannes333)
- Marcus Andreas (marquoise)
- Markus Fröhlich
- Nika Kiffmann
- Salina Centgraf (salina17)
- Sandra Marth (smarth66)
- Sigrun Preissing
- Susanne Kummer
- Tanja Gsellmann
7.1 Doktoranden und Promotionsvorhaben
Alexandra Sacher de Scheichenbauer (Lic., IFF Klagenfurt)
Nachhaltige Entscheidungsfindungsprozesse in Intentionalen Gemeinschaften, am Beispiel des „Keimblatt Ökodorfes”
Felix Wagner (Dipl. Psych., Universität Freiburg)
„Gelebte Versuche einer Kultur der Nachhaltigkeit -
Psychologische Aspekte von `Evovillages´und `Intentional Communities´ zur Gestaltung zukunftsfähiger Lebensweisen.“
Marcus Andreas (M.A. Ethnologie und Pädagogik, LMU München)
Untersuchung des Modellanspruches von Ökodörfern im deutschsprachigen Raum und der Möglichkeit des Transfers.
Sandra Marth (M.A. Pädagogik, IFF Klagenfurt)
„Living Education – Ecovillages and their regional and global networks as sustainable lifelong learning space for future.”
Sigrun Preissing (Dipl. Geographin, Ethnologin M.A., Uni Halle)
„Tauschbeziehungen und soziale Integration in Gemeinschaften mit Alternativökonomien.
Experimente mit alternativen Wirtschaftspraktiken in Gemeinschaften im deutschsprachigen Raum „
7.2 Weitere Personen
Neben den mit ihren Themen bereits fokussierten oben genannten Personen gibt es noch weitere, die sich nach der weiteren Entwicklung der GFG anschließen würden (z.B. ein Post-Dok der Biologie an der TH Zürich).
7.3 Weitere wissenschaftliche Arbeiten
Auf der Ebene von Diplom-, Magister- und Masterarbeiten sind weitere Personen mit der GFG assoziiert, z.B.:
Daniela Bogner (Sozial- und Kulturanthropologie, Universität Wien)
Qualitative Netzwerkanalyse der sozialen Bezugssysteme von Gemeinschaftsakteuren am Beispiel des „Ökodorfes Sieben Linden”.
Salina Centgraf (Geographie, Universität Leipzig)
Untersuchung der Effekte von „nachhaltigen Modellsiedlungen” auf die Regionalentwicklung
7.4 Kooperationspartner
Matthias Grundmann (Prof. Doc., Lehrstuhlinhaber der Soziologie an der Universität Münster)
Iris Kunze (Post-Dok am Lehrstuhl der Soziologie an der Universität Münster)
Ina Paul-Horn (Univ. Prof. Mag. Dr., Institut für Interventionsforschung und kulturelle Nachhaltigkeit, Universität Klagenfurt)
Franz Rauch (Univ. Prof. Mag. Dr., Biologie und Pädagogik, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Universität Klagenfurt)
Diverse kooperationsbereite IG: (bislang nur im deutschsprachigen Raum angefragt): Ökodorf Sieben Linden, Projekt Lebensdorf, Kommune Niederkaufungen, Lebensgarten Steyerberg, Lebens(t)raum Jahnishausen, Lebensgut Pommritz, Keimblatt Ökodorf, Münchner Ökodorf-Projekt
[1] Intentionale Gemeinschaften ist die Bezeichnung für Wohn-, Lebens- und Arbeitsprojekte, die in einer überschaubaren Größenordnung versuchen gemeinsame Absichten und Ziele zu verwirklichen. Im Kontext des definierten Forschungsfeldes ist dabei oftmals die selbst gewählte Bezeichnung Ökodorf anzutreffen.
[2] So z.B. der AG Gemeinschaftsforschung am Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Münster und die Studie „Gemeinschaftliche Lebens- und Wirtschaftsweisen und ihre Umweltrelevanz” am Wissenschaftlichen Zentrum für Umweltsystemforschung an der Universität Kassel.
Diese Seite hat die folgenden Unterseiten.